Die mündliche Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie hat drei Aspekte, zum einen zum persönlichen Hintergrund des Kandidaten, zum zweiten kleinere Fragen und zum dritten einen "großen" Fall der von Ihnen kommentiert und bearbeitet werden muss.
Fragen zum persönlichen Hintergrund
In diesem Aspekt ist mit folgenden Fragen zu rechnen. Dabei ist zu beachten das sich die Prüfer am vorliegenden Lebenslauf orientieren:
- Motivation:
- Warum nehmen Sie an der Prüfung teil? / Warum wollen Sie Heilpraktiker für Psychotherapie werden?
- Werdegang:
- Was wir denn mit ..Ihrem Therapieverfahren.. bewirkt?
- Was für eine Theorie steht hinter Ihrem Therapieverfahren?
- Zielgruppe:
- Für welche Klienten ist Ihr Therapieverfahren geeignet?
- Welche Klienten werden Sie nicht behandeln?
- Führung der Praxis:
- Wie werden Sie Ihre Praxis führen?
- Haben Sie einen Raum?
- Allein oder in einer Praxisgemeinschaft?
"Kleinere" Fragen
Hier geht es um Fragen zur therapeutischen Intervention. Lassen Sie sich nicht verblüffen! Es kann sein, dass Sie nur einen Satz bekommen und selbst herausfinden müssen, wie die Frage lautet. Damit testen die Prüfer natürlich, auf welche Fragen Sie überhaupt bei knapper Schilderung einer Sachlage kommen.
Beispiel:
In einer Sitzung wird Ihr Klient verbal aggressiv und beginnt, die Therapie und Sie als Therapeuten abzuwerten. Wie verhalten Sie sich? Sparen Sie sich Nachfragen (wie lange ist dieser Klient schon bei mir? Wie ist unser Verhältnis?). Sie bekommen wahrscheinlich keine weiteren Angaben.
Hilfreicher ist es, wenn Sie eine vorläufige Analyse der Situation durchführen, z.B. "Es könnte sein, dass wir hier an einem entscheidenden Punkt der Therapie angelangt sind, wo der Widerstand des Klienten deutlich wird."
oder
"Möglicherweise kommt der Klient hier mit seiner Aggression in Berührung, die er auf die therapeutische Situation projiziert".
Besinnen Sie sich dann auf das oder die von Ihnen angewendeten Verfahren und scheuen Sie sich nicht, Fachbegriffe und "Namen" zu erwähnen.
Auch bei den "Kleinen Fragen" werden wahrscheinlich Rückbezüge zu Ihrem Lebenslauf hergestellt und zu Ihrer Darstellung, wie Sie die Praxis zu führen beabsichtigen!
Eine weitere beliebte Frage lautet zum Beispiel "Wie und wodurch wirkt Psychotherapie überhaupt?"
"Große" Fragen / Der Fall
Hier wird Ihnen ein "Fall" mit detaillierten Angaben (vielleicht schriftlich) vorgelegt. Sie haben einen Moment Zeit, um die Inhalte aufzunehmen und sind dann gefordert, den Fall zu kommentieren. Auch hier kann es sein, dass die Frage nur allgemein lautet: "Was sagen Sie dazu?".
Es empfiehlt sich, eine vorläufige Diagnose sowie mögliche Differentialdiagnosen zu stellen (wobei der Begriff "Syndrom" empfehlenswert ist), beziehungsweise je nach Art der Frage kurz zu erläutern, wie Sie eine Anamnese erheben und dann. die vorläufige Diagnose stellen. Es ist damit zu rechnen, dass Sie die "Fälle" die eine Überweisung an einen Arzt (Psychiater? Neurologe? Klinik-Empfehlung?) oder die Zusammenarbeit mit Ärzten nötig machen. Begründen! Auch hier ist die Überprüfung Ihres Wissens um Ihre Kompetenz-Grenzen eingebaut!
Außerdem wird Wert auf Einfallsreichtum gelegt: Vielleicht braucht der "Fall" ja auch oder nur physiotherapeutische oder orthopädische Maßnahmen, vielleicht Unterstützung im sozialen Bereich oder Beratung für Ämtergänge? Richten Sie sich darauf ein, dass "Hilfe" für Menschen in Not auch aus ganz anderen Bereichen als dem psychotherapeutischen kommen kann! Natürlich macht es sich gut, wenn Sie den Eindruck erwecken können, auch hier Institutionen und Anlaufstellen zu kennen und Klienten weiterleiten zu können.
Vorausgesetzt, der vorliegende Fall ist überhaupt (ganz oder in Teilproblematiken) "ein Fall für Sie", dann können Sie jetzt darlegen:
- Wie Sie die Problematik des Klienten wahrnehmen im Kontext des theoretischen Ansatzes Ihres/r Verfahren
- Was für den Therapieverlauf wichtig ist
- Welche Schwerpunkte Sie setzen
- Was Sie berücksichtigen müssen
- Welche Schritte, Teilziele und Ziele Sie mit dem Klienten erreichen wollen.
Bleiben Sie dabei immer bei Ihrem Verfahren und versuchen Sie, Ihre Ausführungen klar zu formulieren, gut durchzustrukturieren und knapp zu fassen!
Einige ehemalige "große" Fälle aus der mündlichen Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie finden Sie hier.




